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        Auszug aus dem Journal

        Bereits über 2000 Grippe-Fälle in Deutschland




        Das Robert Koch-Institut rät über 60-Jährigen, chronisch Kranken, Schwangeren und medizinischem Personal, sich noch gegen Grippe impfen zu lassen. Foto: Sebastian Gollnow - (c)dpa-infocom GmbH

        Berlin (dpa) - Rund 2400 Grippe-Fälle sind in Deutschland seit
        Oktober bereits gemeldet worden, darunter auch sechs Todesfälle.
        Allein in der ersten Januarwoche seien es 489 Fälle gewesen, sagte
        Silke Buda vom Robert Koch-Institut.


        Die vergangene
        Grippe-Saison sei stürmischer losgegangen. Die Dunkelziffer liege
        stets viel höher, weil nicht alle Grippekranken untersucht würden.
        Nur laborbestätigte Fälle müssen an die Gesundheitsämter gemeldet
        werden.


        Wer sich noch impfen sollte


        Die Komponenten des diesjährigen Impfstoffs passten gut zu den
        bislang entdeckten Viren des Typs A. «Wer noch nicht geimpft ist und
        zu den Risikogruppen gehört, sollte das jetzt tun », sagte Buda. Dazu
        zählten über 60-Jährige, chronisch Kranke, Schwangere und
        medizinisches Personal. Es dauert allerdings bis zu zwei Wochen, bis
        ein Impfschutz aufgebaut ist. Und es ist nicht sicher, dass jeder
        Arzt noch Impfstoff bekommt.


        Wegen des Impfstoffmangels in dieser Saison hat Deutschland mehrere
        Tausend Dosen Grippe-Impfstoffe von EU-Ländern importiert. Dennoch
        gibt es mancherorts noch Engpässe bei der Versorgung. Allein nach
        Berlin seien 3000 Dosen geordert worden, sagte eine Sprecherin des
        Landesamts für Gesundheit und Soziales. Das Saarland erhielt nach
        Auskunft der Landesapothekenkammer «sehr kleine Mengen» von
        Impfstoffen aus Polen und Frankreich, dennoch sei nun keiner mehr
        verfügbar. Auch nach Bayern wurden Impfstoffe importiert. «Wir hatten
        eine enorm erhöhte Nachfrage», sagte der Sprecher der
        Landesapothekenkammer Thomas Metz.


        Apotheken in Schleswig-Holstein hätten Impfstoffe «im vierstelligen
        Bereich» aus dem Ausland, überwiegend aus Großbritannien bezogen,
        sagte der Geschäftsführer der Landesapothekenkammer, Frank
        Jaschkowski. «Damit konnten kleinere Versorgungslücken geschlossen
        werden.» Geschätzt einige Tausend Menschen des Bundeslandes hätten
        sich wegen des Impfstoffmangels nicht gegen Grippe impfen lassen. In
        anderen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gibt es
        nach Behördenangaben keine größeren Probleme mit den Impfstoffen.


        Hohe Nachfrage nach Impfstoff


        Die ungewöhnlich starke Grippewelle der vergangenen Saison sehen
        Experten als einen Grund dafür an, dass sich diesmal so viele
        Menschen impfen ließen. Ein weiterer Grund sei die Einführung des
        Vierfach-Impfstoffs, der als wirksamer gilt als der mit drei
        Komponenten, sagte eine Sprecherin des für Impfstoffe zuständigen
        Paul-Ehrlich-Instituts (PEI).


        Für diese Saison hatte das PEI 15,7 Millionen Dosen freigegeben, rund
        eine Million mehr als in der Vorsaison verimpft worden waren. Nach
        Engpässen hatte das Bundesgesundheitsministerium im November den
        Import von weiteren Grippe-Impfstoffen erlaubt.


        Die Herstellung der Impfstoffe muss langfristig geplant werden, denn
        sie dauert mehrere Monate und geschieht nach wie vor zumeist mit
        Hilfe von Hühnereiern. Die Pharmafirmen produzieren im November zudem
        die Grippeimpfstoffe für die Südhalbkugel und haben daher keine
        weiteren Kapazitäten.


        Die frühe Planung der Impfstoffzahl ist schwierig. Auch 2005 kam es
        zu einem Mangel. Aus Angst vor der Vogelgrippe hatten sich viele
        Menschen impfen lassen, obwohl die gewöhnliche Grippe-Impfung gar
        nicht davor schützt, wie eine PEI-Sprecherin damals sagte.


        Die vergangene Grippewelle hatte das RKI bereits als stärkste in
        Deutschland seit Jahren gewertet. Geschätzte neun Millionen Menschen
        sind wegen einer Influenza-Erkrankung zum Arzt gegangen, vermutlich
        starben mehr als 20.000 Menschen, vor allem Ältere.



        Autor: Sebastian Gollnow