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        Auszug aus dem Journal

        Tipps für Patienten mit Angst vor dem Arzt




        Manch einen gruselt es, schon wenn er an ein Gespräch mit einem Arzt denkt. Es gibt aber Hilfe für Betroffene - die sie unbedingt in Anspruch nehmen sollten. Foto: Christin Klose - (c)dpa-infocom GmbH

        Berlin (dpa/tmn) - Der Bohrer kreischt, Spucke sammelt sich im Mund, doch das Schlucken ist unmöglich. Viele Menschen kennen die Panik, die in diesem Moment entsteht - gerade bei Zahnärzten.


        Doch für einige Betroffene wird schon der Anblick eines Ärztehauses zum Horrorszenario. Iatrophobie heißt der Fachbegriff für die krankhafte Angst zum Doktor zu gehen. «Es gibt Schätzungen, wonach bis zu zwei Millionen Menschen in Deutschland von Ängsten vor Ärzten oder Behandlungen betroffen sind», sagt Prof. Arno Deister, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Die einen gehen nur ungern zum Arzt, andere zögern einen Besuch selbst bei sehr ernsthaften Erkrankungen hinaus - bis es zu spät ist. «Die Zahl derjenigen, bei denen eine echte Phobie besteht, wird sicherlich geringer sein», meint Deister.


        Aber woher weiß man nun, ob man sich nur ein bisschen fürchtet oder ein ernsthaftes Problem hat? «Ein gewisses Unwohlsein oder Bauchgrummeln ist völlig normal, aber Schweißausbrüche oder Herzrasen sind Zeichen ernsthafter Panik», erklärt Markus Beier. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes.


        Dabei fürchten sich die Patienten nicht unbedingt vor einer besonders schlimmen Diagnose, sondern vor dem Arztbesuch an sich. «Häufig geht damit die Angst vor einem Kontrollverlust einher», erläutert Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes für Psychiatrie und Psychotherapie aus dem rheinland-pfälzischen Andernach. «Die Betroffenen glauben, sie könnten nicht mehr über ihren Körper bestimmen, sorgen sich, dass sie umfallen, in die Hose machen oder etwas Dummes sagen.»


        Das Problem: Je länger aus Angst vor dem Arzt der Besuch hinausgezögert wird, desto größer werden die gesundheitlichen Beschwerden. Also fällt der Eingriff oder die Behandlung dann umso schlimmer aus, was die Angst wiederum bestätigt und verstärkt. Ein Teufelskreis.


        Die gute Nachricht ist: In der Regel lässt sich die Arztphobie mit einer Verhaltenstherapie lösen. Therapeut und Patient analysieren wie in einer Zeitlupe die Abläufe. Anschließend wird der Betroffene behutsam mit seiner Angst konfrontiert.


        Gerade Zahnärzte bieten inzwischen für Angstpatienten eine Behandlung unter Narkose oder Hypnose an, auch Entspannungstechniken oder Ablenkung etwa durch Musik oder Filme können helfen. Betroffene, die operiert werden müssen, sollten nicht verschweigen, dass sie Angst haben. «Ich empfehle, im Gespräch mit dem Arzt die eigenen Ängste zu thematisieren», sagt Michael Volland, Leiter der Arbeitsgruppe « Angstfreies Krankenhaus» im Berliner Krankenhaus Waldfriede. 


        Wer sich nicht traut, der Angst zu begegnen, sollte sich Unterstützung bei guten Freunden oder Verwandten holen, sagt Volland. «Eine vertraute Person kann helfen, die Probleme einzugrenzen.» Das Umfeld muss wissen, dass diese Krankheit nichts ist, was man einfach so lassen kann.


        Markus Beier erlebt immer wieder, dass Angehörige das Verbindungsglied zu den ängstlichen Patienten sind. «Manche bitten ihre Verwandten auch darum, sie zu uns zu fahren, um uns kennenzulernen, dann ist der erste Schritt schon getan.» So wird vielleicht der nächste Arztbesuch kein Alptraum mehr.



        Autor: Christin Klose