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Auszug aus dem Journal

Wie Heuschnupfen diagnostiziert wird




Wenn es im Frühjahr blüht, haben viele Pollenallergiker mit Niesattacken und einer immerzu laufenden Nase zu kämpfen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn - (c)dpa-infocom GmbH

Berlin (dpa/tmn) - Im Frühjahr geht es bei vielen Menschen wieder los mit tränenden Augen, Niesattacken und ständig laufender Nase, Schlafstörungen und zum Teil auch mit Atemproblemen. Kurzum: mit Heuschnupfen. Schätzungen zufolge jeder und jede Fünfte hierzulande ist mehr oder weniger stark betroffen.


Interessant ist: Viele stellen nach Einschätzung der Allergologin Stefani Röseler die Heuschnupfen-Diagnose selbst. Sie schieben ihre Symptome schlicht auf umherfliegende Pollen.


Mit dieser schnellen Erklärung und ein wenig Selbstmedikation ist es aber nicht getan. Das Problem ist, dass Heuschnupfen der Expertin zufolge Teil einer chronischen Entzündung ist, die zumeist unzureichend therapiert wird und auf kurz oder lang zu Problemen mit den Nasennebenhöhlen, Magen und Darm oder zu Asthma führen kann.


Darum sei auch bei Patientinnen und Patienten, die für sich selbst die Diagnose Heuschnupfen gestellt haben, eine genaue Diagnostik der Allergie wichtig. «Damit sie gesund bleiben können», sagt Röseler. Eine exakte Diagnose ist die Voraussetzung für eine effektive Therapie. Doch der Weg dahin ist nicht immer einfach.


Am Anfang steht die Anamnese


Bevor auf bestimmte Allergene getestet wird, erfolgt eine gründliche Anamnese. Zu welchen Zeiten treten die Beschwerden auf und wann sind sie vielleicht besonders schlimm? Gibt es Begleiterkrankungen oder andere bekannte Allergien? Welchen Allergenen ist man am Wohnort womöglich ausgesetzt?


Besonders verbreitet sind in Deutschland unter anderem Pollen von Birke, Hasel, Roggen, Beifuß oder Süßgräsern. «Baumpollen fliegen eher im Frühjahr, Gräser eher in der Mitte des Jahres, Kräuter mehr im Spätsommer», sagt der Pneumologe und Allergie-Experte Prof. Karl-Christian Bergmann von der Berliner Charité, der auch Vorstandsvorsitzender des Deutschen Polleninformationsdienstes ist.


Der Pricktest und seine Grenzen


Wird eine Pollenallergie vermutet, ist der Pricktest das Standardverfahren zur Diagnostik. Dabei werden Extrakte mit verschiedenen Allergenen auf die Haut geträufelt, diese wird mit einer Lanzette an den entsprechenden Stellen eingestochen.


Nach etwa einer Viertelstunde folgt die Auswertung. Der Mediziner oder die Medizinerin schaut, welche Hautstellen geschwollen sind. Die Größe der Quaddeln, die an Mückenstiche erinnern, wird ausgemessen.


Eine Reaktion beim Pricktest bedeutet nicht automatisch, dass der Körper auch allergisch gegen einen Stoff ist. «Was man sieht», sagt Bergmann, «ist, ob Antikörper vorhanden sind, die darauf reagieren.» Diese können im Körper sein, ohne dass man auf den Stoff allergisch ist - in dem Fall ist man nur sensibilisiert. «Ungefähr die Hälfte aller Personen, die bei einem Test positiv auf Milben-Allergene reagieren, sind zum Beispiel gar nicht gegen sie allergisch.»


Und bei Pollen? «Im Normalfall, in 90 Prozent der Fälle, ist die Diagnose von Heuschnupfen sehr leicht», sagt Bergmann. Das heißt aber auch, dass es bei jedem zehnten Fall eben doch nicht so einfach ist.


Klinische Relevanz herstellen


An der Stelle könnte ein Provokationstest Klarheit bringen. Zum Beispiel, wenn Unsicherheit herrscht, ob es sich klinisch um eine Reaktion auf Birken, Eschen oder Platanen handelt, so Allergologin Röseler. Dabei sprüht man etwas von dem jeweiligen Allergen in die Nase und misst, ob die Schleimhaut anschwillt. «Ab einem gewissen Grad ist man sicher, dass da die klinische Relevanz ist.»


Klinische Relevanz ist im gesamten Diagnose-Prozess der zentrale Faktor. «Wichtig ist, egal über welchen Allergieauslöser wir reden, dass wir klinische Relevanz herstellen», sagt etwa Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund. Sie erklärt es am Beispiel: Fällt der Test auf Birkenpollen positiv aus, doch treten die Beschwerden nur im Herbst auf, passt etwas nicht zusammen.


«Deshalb ist es auch so wichtig, ein Allergietagebuch zu führen», sagt Lämmel. Dann muss man schauen: Passen die Ergebnisse von dem Allergietest zu den Symptomen?


Blutuntersuchung kann hilfreich sein


Neben Haut- und Provokationstests kann auch eine Blutuntersuchung wichtige Hinweise auf Allergieauslöser liefern. Diese erlaube einen genaueren Blick auf die möglichen Ursachen und gebe an vielen Stellen hilfreiche diagnostische Unterstützung, erklärt Allergologin Röseler. Zum Beispiel beim Vorliegen von Kreuzallergien - davon spricht man, wenn bestimmte Antikörper im menschlichen Organismus gegen verschiedene Allergene ankämpfen.


Am weitesten verbreitet ist die Kreuzallergie von Birkenpollen, Nuss und Kernobst. Ist das Immunsystem also auf Birkenpollenbestandteile sensibilisiert, kann es etwa auch auf Apfel, Pfirsich, Pflaume, Haselnuss und Soja reagieren.


Mitunter kommt man einem Allergen deshalb nicht auf die Spur, weil es davon noch keine Extrakte gibt, die etwa standardmäßig beim Pricktest zum Einsatz kommen. Beispielhaft nennt Charité-Experte Bergmann den Götterbaum. Der kommt eigentlich aus China und ist dort für einen Großteil der Pollenallergien verantwortlich. Zunehmend fühlt sich der Baum hierzulande wohl. «In Berlin hat er sich mächtig verbreitet. Hier gibt es jetzt auch erste Allergien», sagt Bergmann. Im Blut seien die Antikörper nachweisbar.


© dpa-infocom, dpa:210413-99-188272/3



Autor: Christin Klose - 13.04.2021

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