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    WHO rät von Remdesivir bei Covid-19 ab




    Das Medikament Remdesivir ist laut WHO-Studien nicht der ersehnte Hoffnungsträger bei der Behandlung von Covid-19-Patienten. Der Hersteller widerspricht. Foto: Ulrich Perrey/dpa-POOL/dpa - (c)dpa-infocom GmbH

    Genf (dpa) - Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät vom Einsatz des einst vielversprechenden Medikaments Remdesivir bei Covid-19-Erkrankungen ab. Nach eingehender Prüfung sei ein Expertengremium der WHO zu dem Schluss gekommen, dass das Mittel «keinen bedeutenden Einfluss auf die Sterblichkeit» habe.


    Das gelte auch für andere wichtige Faktoren wie den Bedarf an künstlicher Beatmung oder die Zeit bis zu einer Besserung, teilte die WHO am Freitag in Genf mit. Es sei zudem noch nicht ausgeschlossen, dass das Medikament auch Schaden anrichten könnte. Dazu kämen die Kosten.


    Remdesivir war vom US-Pharmakonzern Gilead ursprünglich zur Bekämpfung des Ebola-Virus entwickelt worden. Nach Ausbruch der Corona-Pandemie galt es eine Zeit lang als Hoffnungsträger im Kampf gegen Covid-19. Es erhielt im Juli als erstes Mittel überhaupt in Europa eine Zulassung unter Auflagen zur spezifischen Behandlung von bestimmten Patienten.


    Zuletzt hatten Tests aber nahegelegt, dass der Nutzen des Präparats bestenfalls gering ist. Die Erkenntnisse ergaben sich aus einer von der WHO koordinierten Studie mit Tausenden Patienten in fast 500 Kliniken in mehr als 30 Ländern.


    Vom Hersteller Gilead kam am Freitag Widerspruch. Klinische Vorteile von Remdesivir seien in «randomisierten, kontrollierten Studien» unter anderem in Deutschland nachgewiesen worden: «Zu diesen Vorteilen zählt insbesondere auch eine signifikant schnellere Zeit bis zur Genesung.» Man seit überzeugt davon, dass Ärzte weltweit den Nutzen des Präparats erkennen würden.


    Die EU wollte sich am Freitag nicht zu möglichen Konsequenzen der WHO-Einschätzung äußern. Es sei nun an europäischen Wissenschaftlern, sich die Begründung der WHO anzuschauen und dann die notwendigen Schlussfolgerungen zu ziehen, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Sie selbst werde das nicht tun.


    Die Europäische Kommission hatte im Juli mit dem Pharmaunternehmen Gilead einen Vertrag über insgesamt 63 Millionen Euro unterzeichnet, der die Behandlung von rund 30.000 Patienten mit Remdesivir ermöglichen sollte. Anfang Oktober war zudem ein Rahmenvertrag für die Beschaffung von bis zu 500.000 weiteren Behandlungseinheiten geschlossen worden. Bei diesem ging es aber darum, Direktbestellungen von europäischen Staaten zu bündeln.


    Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte Remdesivir zur Behandlung von Covid-19-Erkrankungen vor gut einem Monat zugelassen, nachdem es seit Mai bereits eine Notfallzulassung in den USA gibt. Die FDA hatte damals von einem «Meilenstein in der Pandemie» gesprochen. Auch US-Präsident Donald Trump hatte Remdesivir bei seiner Covid-19-Erkrankung erhalten. Das Mittel ist laut Gilead geeignet für Menschen, die mindestens 12 Jahre alt und mindestens 40 Kilogramm schwer sind, und solle nur bei schwereren Verläufen und von medizinischen Experten verabreicht werden.


    Erst am Donnerstag (19. November) erließ die FDA eine weitere Notfallzulassung im Zusammenhang mit Remdesivir: Der Wirkstoff Baricitinib, der eigentlich zur Behandlung von Arthritis eingesetzt wird, darf demnach in Kombination mit Remdesivir eingesetzt werden.


    © dpa-infocom, dpa:201120-99-402142/4



    Autor: Ulrich Perrey - 20.11.2020

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